Einbürgerung
als Wettbewerb
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| Staatsangehörigkeitsbehörde des Bezirksamts Berlin Neukölln |
Neukölln an einem Dienstagnachmittag im
Februar 2018. Der Saal der Bezirksverordneten im Rathaus ist bis auf den
letzten Platz gefüllt. Von den anwesenden Frauen trägt ungefähr ein Viertel
Kopftuch. Sie alle wollen heute den deutschen Pass erhalten.
Los geht es mit den 16 Nationalhymnen der
Einzubürgernden, gespielt auf einem Cello mit Keyboardbegleitung. Dann begrüßt
der Bezirksverordnetenvorsteher die Passempfänger und bescheinigt ihnen, dass
„sie sich integriert haben“. Erstaunlich – heißt es doch im Haushaltsplan unter
Zielsetzung im schönsten
Beamtendeutsch: durch Einbürgerung die Optimierung der Integration von Menschen
mit Migrationshintergrund. Was soll denn die Einbürgerung sein: Anreiz oder
Belohnung?
Das Begriffschaos setzt sich fort, als die
Bürgermeisterin, Frau Dr. Giffey, ans Mikrofon tritt und nach ein paar
Schmeicheleien („Sie sehen alle gut aus“) von den Glaubensflüchtlingen erzählt,
die vor 200 Jahren aus Böhmen nach Rixdorf (dem damaligen Neukölln) kamen und
die sie offensichtlich mit den heutigen Zuwanderern aus dem Nahen Osten
gleichsetzt.
Frau Dr. Giffey ist stolz auf ihre
Zahlen: Circa 1000 Personen werden jedes Jahr in Neukölln eingebürgert, 100 pro
Monat (minus Ferien), alle zwei Wochen findet die Zeremonie statt. Dagegen
schafft der Bürgermeister des Nachbarbezirks Treptow-Köpenick nur 60 pro Jahr
und sei deshalb auf Neukölln neidisch. Einbürgerung als Wettbewerb zwischen den
Bezirken: Bei diesem Marathon hat Neukölln eindeutig die Nase vorn!
Dann kommt Giffey auf die Stellung der
Frau zu sprechen, auf die Tatsache, dass im BVV-Saal vor 100 Jahren nur Männer
saßen und Frauen erst seit 1918 das Wahlrecht haben. Dass sie selbst mit ihrer
Einbürgerungspolitik, bei der die eigentlich recht strengen Kriterien
regelmäßig missachtet werden, die hart erkämpfte Gleichberechtigung gefährdet,
scheint ihr nicht in den Sinn zu kommen. Immerhin mahnt sie an, dass Artikel 3
des Grundgesetzes in Deutschland für alle gelte. Vielleicht beschleicht sie ja
eine leise Ahnung, was sie mit ihrer Willkommenspolitik anrichtet.
Endlich ist es soweit, die Ode an die Freude ist verhallt und die
Urkunden liegen bereit. Bevor sie übergeben werden, erfolgt eine kurze Ansage,
dass alle bei der Übergabe der Urkunde fotografiert und die Bilder auf Facebook
veröffentlicht werden, sofern es keinen Widerspruch gibt. Dann geht es los:
Eid, Urkunde, Klick. Fünfzigmal.
„Ich erkläre feierlich, dass
ich das Grundgesetz und die Gesetze der Bundesrepublik Deutschland achten
und alles unterlassen werde, was ihr schaden könnte.“ So mancher hat
Schwierigkeiten, die 22 Wörter fehlerfrei aufzusagen, und das obwohl als
Voraussetzung eigentlich das Sprachniveau B1 vorgeschrieben ist, also
Mittelstufe. Bislang weigert sich der zuständige Stadtrat allerdings, diesen
Missstand aufzuklären; vermutlich hat es mit den sogenannten von Aydan Özoguz
beworbenen „Ermessenseinbürgerungen“ zu tun, von denen das Bezirksamt
anscheinend umfassend Gebrauch macht.
Beim Aufsagen des Gelübdes sticht ein
Herr besonders heraus: Er ist nicht in der Lage, den Satz, den ihm die
Mitarbeiter des Bezirksamtes netterweise ausgedruckt, laminiert und in die Hand
gedrückt haben, auch nur vorzulesen, so dass Giffey ihm die 22 Wörter
häppchenweise souffliert. Dieser Mann ist offensichtlich nicht nur des
Deutschen nicht mächtig, sondern auch Analphabet. Wie viele dermaßen
unintegrierbare Personen seit 1998 den deutschen Pass erhalten haben, wird in
den nächsten Wochen und Monaten herausgearbeitet, voraussichtlich gegen den
heftigen Widerstand der Staatsangehörigkeitsbehörde.
Nachdem alle Urkunden verteilt sind, wird
die Nationalhymne gesungen. Alle scheinen erleichtert, dass das Bezirksamt eine
russische Sängerin engagiert hat, deren laute Stimme jeden Lärm übertönt. Die
anwesenden Bezirksverordneten und Mitglieder des Bezirksamt singen leise mit. Die
Mehrheit der neuen Deutschen schweigt.



Guter Blog, bin beeindruckt. Muss nur noch mehr mit Leben gefüllt werden.
AntwortenLöschenLeider hat der Tag nur 24 Stunden, ich weiß.
Mit freundlichen Grüßen
S. Ulbrich (Bonn)
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